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Donnerstag, 26. Mai 2016

Paragliding im Kaiserwinkl - der zweite Versuch

Wozu gibt es so viele Feiertage in Bayern? Natürlich um die Erlebnisse, die kurzfristig aufgrund von kaltnassem Pfingstwetter ausgefallen sind, nachzuholen. Seit gestern Abend ist meine Mama bei mir in Nürnberg und für Fronleichnam haben wir uns spontan für einen Tagesausflug nach Kössen entschieden. Natürlich sind wir nicht alleine mit der Idee, zum Start ins lange Wochenende in die Berge zu fahren, so dass wir den einen oder anderen Stau geduldig über uns ergehen lassen müssen. Aber wir fahren rechtzeitig los und haben dadurch keinen Stress. Am Irschenberg machen wir eine Pause in der Kaffeerösterei Dinzler. Auf dem Parkplatz gibt es kaum noch einen freien Platz und ich sehe uns schon eng an eng mit all den anderen Leuten sitzen. Aber wir sind positiv überrascht, denn innen ist die Rösterei sehr weitläufig und gemütlich. Wir essen beide ein Eis, mehr lassen Zeit und Nervosität nicht zu.

Als wir später in Österreich am Walchsee entlangfahren und die ersten Blicke auf das Unterberghorn erhaschen, sehen wir schon ein paar Gleitschirme. Je näher wir kommen, umso mehr scheinen es zu werden. Keine drei, vier, fünf, sondern es wirkt wie ein ganzer Schwarm an Paraglidern. Das ich heute wohl nicht alleine in der Luft sein werde, wird spätestens bei der Gabelung zum Parkplatz noch einmal klar, denn die Zufahrt ist gesperrt. Der große Parkplatz, an dem vor 10 Tagen mein Auto das Einzige weit und breit war. Heute gibt es hier keine Abstellmöglichkeit für mich. Wir parken also ein ganzes Stück weiter entfernt am Straßenrand und laufen zum Treffpunkt, Sigis Sportklause. Wir kommen vorbei an einer großen Wiese, wo im Sekundentakt die Paraglider landen. Außen herum sind Stände aufgebaut und es läuft Musik. So sieht es hier also aus, wenn das Wetter gut ist, denke ich mir und wir gehen weiter. Ich bin so begeistert von dem Blick auf den Berg mit den ganzen bunten Gleitschirmen, dass ich Christoph, meinen Piloten, den ich schon beim letzten Besuch kennengelernt habe, erst gar nicht erkenne. 

Was für eine tolle Kulisse

Pfingstmontag war es hier noch grau und trüb

Schnell wird noch der Helm anprobiert, dann geht es schon mit der Seilbahn nach oben. Die Fahrt dauert recht lange, bestimmt 15 Minuten. Währenddessen erzählt uns Christoph, dass normalerweise auch nicht so viel los ist, aber diese Tage das "Super Paragliding Testival 2016" stattfindet. Das bedeutet, dass verschiedene Gleitschirmhersteller ihre neuesten Produkte vorstellen und die Hobbyflieger alles testen können, was neu auf dem Markt ist. Deshalb standen an der Straße also auch Autos von Flugschulen an der Mosel und anderen Orten, die nicht gerade in der Nähe liegen. Als wir endlich oben angekommen sind sehen wir schon den Startplatz. Eine Wiese, die ähnlich wie der Landeplatz unten aussieht. Grünes Gras, überdeckt von den verschiedensten bunten Schirmen, welche hier von den Piloten für den Start vorbereitet werden. Es sind natürlich viele Einzelpiloten unterwegs, wir als Tandemflieger sind hier heute die Ausnahme. Als ein Stückchen Wiese frei wird, bereitet auch Christoph unseren Schirm vor. Ich kriege den Helm auf und werde festgezurrt und dann geht es auch schon los. Zwei Schritte nach vorne, der Schirm bläht sich im Wind auf und zieht uns nach hinten, dann noch ein paar Schritte vorwärts und wir schweben.

Aus der Seilbahn heraus fotografiert

Das tolle Panorama von der Bergstation aus

Actionkamera Funktionscheck

Noch mal alle Sicherungen nachziehen...

... und schon fliegen wir

Es gibt keinen Adrenalinkick, keine Überwindung, sondern es geht ganz leicht. Das Gefühl ist von Anfang an für mich so, als wäre es das Normalste der Welt. Ich sitze, nachdem ich noch etwas hin- und herrutsche, bequem in meinem Sitz und kann mich zurück lehnen. Als ich runter gucke ist es schon eine Perspektive, die man sonst nicht kennt. Aber auch das finde ich nicht unangenehm. Ich fühle mich sicher, befestigt da oben an dem Schirm, und vertraue meinem Piloten, dass er weiß, was er macht. Wir sehen den zahmen und den wilden Kaiser, den Gipfel vom Unterberghorn mit den vielen anderen bunten Paraglidern, den Walchsee und am Horizont in alle Richtungen Bergpanoramen, wie man sie sich nicht schöner vorstellen kann. Lange halten wir uns auf einer Höhe, genießen den entspannten Flug. Irgendwann kriege ich wieder die Selfiestange in die Hand gedrückt und das Kommando, dass wir gleich landen. Das heißt: Beine hoch und bereit machen für eine kurze Rutschpartie auf dem Hinterteil.

Panoramaflug über Kössen

Panoramaflug über Kössen

Panoramaflug über Kössen

Panoramaflug über Kössen

Panoramaflug über Kössen

Im Landeanflug

Musik: Kris Bauer - Colors

Unten wartet schon meine Mama, die währenddessen mit der Seilbahn wieder runter gefahren ist, auf uns. Zum Feier des tollen Flugs genehmigen wir uns noch alle ein Getränk in Sigis Sportklause. Hier schauen wir uns auch schon die Bilder und Filme an, die wir während des Fluges gemacht haben und beobachten die anderen Paraglider, die noch in der Luft sind. Nach der Erfrischung geht es wieder in Richtung Nürnberg. Ohne Zeitdruck und Aufregung beschließen wir, noch einmal beim Dinzler zu pausieren und hier unser Abendessen zu genießen. Es gibt eine sehr gute Pizza Prosciutto e Funghi, dazu Bier und für mich einen selbstgemachten Zitroneneistee. Der ist weit weg von der typischen gekauften Variante, sondern wird mir mit frischem Saft von Blutorangen, Zitronen und Orangen serviert. Dann noch Eiswürfel dazu - perfekt. Wir kaufen uns gleich noch einen Becher als Energiekick für den restlichen Heimweg.

Angeblich gibt es auch in der Luft Verkehrsregeln - die kann ich zwar nicht erkennen, aber so sieht's ja auch viel schöner aus

Überall sind bunte Gleitschirmsprenkel am Himmel zu sehen

Selbstgemachter Eistee - besser könnte dieser perfekte Tag nicht enden

Montag, 16. Mai 2016

Paragliding im Kaiserwinkl... fällt heute aus!

Noch vor dem Frühstück klingelt mein Handy. Es sieht gut aus, heute können wir wohl einen Paraglidingflug wagen. Das habe ich gehofft, seit ich meinen Kurzurlaub hier geplant und gesehen habe, dass man in Kössen ganz wunderbar Gleitschirmfliegen kann. Ich kriege die Info, dass ich mich warm anziehen soll, da es oben Minusgrade hat. Und gestern hat es auf dem Gipfel wohl auch etwas geschneit. Kurz bin ich versucht, zu sagen, dass ich jetzt bestimmt nirgendwo hinfahre, wo es schneit. Stattdessen ziehe ich noch eine Leggins unter die Hosen und überlege, ob ich auch wirklich meine dicke Winterjacke im Auto habe. Als ich auflege sind meine Hände vor Aufregung ganz naßgeschwitzt. Ich gehe noch frühstücken, ruhig und entspannt geht das allerdings nicht mehr. Nach dem auschecken fahre ich zum Treffpunkt, der Talstation der Bergbahn, die zum Unterberg fährt. Natürlich bin ich viel zu zeitig da. Aber ich muss nicht lange warten, dann kommt Christoph, mein Pilot. Wir werfen noch einen Blick auf die Wetterapp und sehen, dass Regen im Anmarsch ist. Christoph geht noch mal vor die Tür, schaut sich um, wie es aussieht... und teilt mir mit, dass ein Flug jetzt wohl möglich wäre, aber uns beiden keine Freude bringen würde, denn bis wir abflugbereit sind, vergeht noch mal eine halbe Stunde und bis dahin ist der Regen, der am Horizont schon sichtbar ist, auch bei uns. Ich bin enttäuscht. Nicht, weil Christoph den Flug abgesagt hat, sondern weil das Wetter einfach die ganzen drei Tage nicht mitgespielt hat. Aber Kössen ist nicht weit weg von Nürnberg, das geht auch mal mit einem Tagesausflug.

Bis zur Talstation habe ich es schon mal geschafft - noch glaube ich, dass ich gleich da oben stehe und losfliege

Nachdem der Flug gecancelt ist, fahre ich wieder in Richtung Nürnberg. Noch auf dem Parkplatz spüre ich die ersten Regentropfen. Ich drehe mich noch einmal um zum Berg und sehe tatsächlich gerade jemanden fliegen und freue mich doch insgeheim, dass wir nicht das Risiko eingegangen sind, vielleicht doch noch vor dem Regen davon fliegen zu können und ich jetzt da oben naß in der Luft hänge. Und bei gutem Wetter und klarer Sicht wird's beim nächsten Mal eh viel schöner.

Sonntag, 15. Mai 2016

Eine halbe Wanderung zum Taubensee

So richtig stimmt mich das Wetter hier nicht froh. Schon wieder hängen dicke Regenwolken über den Bergen. Ich habe zwar etwas besser geschlafen, aber dank der Massage gestern ziemlichen Muskelkater. Den hat mir die Masseurin auch schon prophezeit. Um die Zeit aber nicht nur im Schwimmbad zu verbringen, geht es nach dem Frühstück wieder raus. Ich plane, zum Taubensee zu laufen. Leider schaffe ich die Wanderung nicht komplett, was einerseits an meiner Kondition, hauptsächlich aber auch an der Motivation liegt. Denn ich bin mir sicher, dass ich heute von den  Berchtesgadener Bergen, den Loferer Steinbergen, den Hohen Tauern, den Kitzbühler und den Zillertaler Alpen und dem mächtigen Massiv des Kaisergebirges kaum etwas sehen würde, wie es bei schönem Wetter von der Taubenseehütte aus möglich ist. Zudem regnet es immer wieder und auch wenn der Weg wirklich schön ist, macht es auf Dauer doch keinen Spaß. Und so schnalle ich mir bei der Hirzinghütte meine Umhängetasche wieder auf den Muskelkater und kehre um. Bis hier hin genieße ich meine Wanderung aber auch in vollen Zügen. Die Umgebung ist so schön und es sind kaum andere Wanderer unterwegs, so dass man wirklich ungestört ist. Und so grau der Himmel auch ist, so farbenprächtig sind doch die Wiesen, an denen ich vorbei komme. So viele bunte Blumen auf einer natürlichen Wiese habe ich bisher nur in Irland gesehen. Da haben wir es wieder, ohne Regen keine bunten Felder. Und dann gibt es auf einmal zwischen den bunten Blüten Disteln. Ich dachte, dass die eher in Wüsten wachsen, weil sie überall und unter allen Wetterbedingungen existieren können. Und dann wachsen sie hier, im nassen Gras, wo sämtliche Pflanzenvielfalt sich leicht tut. Und waren Disteln nicht auch so fiese Gesellen, deren Wurzeln sich nehmen, was sie brauchen, auch wenn dadurch die anderen Pflanzen keine Nährstoffe mehr haben?! Die Artenvielfalt ist hier schon bemerkenswert. Zurück am Parkplatz fülle ich mir noch etwas frisches Wasser aus einem Brunnen in meine Flasche, lösche damit auch meinen Durst und fahre wieder zum Hotel.

Ein bißchen besser könnte das Wetter schon sein

Das nenne ich mal eine Bergwiese

Farbenvielfalt am Wegesrand

Farbenvielfalt am Wegesrand

Farbenvielfalt am Wegesrand

Farbenvielfalt am Wegesrand - und dann auf einmal Disteln

Wasserfälle sind ein tolles Fotomotiv und sie bereichern auch jede Wanderung

Farbenvielfalt am Wegesrand

So sieht's Almleben aus

Abenteuerliche Bachüberquerungen

Die Hirzinghütte - es beginnt gerade wieder zu regnen und ich kehre um

Selbst die Gänseblümen sehen hier aus wie etwas Besonderes

Pünktlich zur Nachmittagsjause bin ich wieder im Hotel. Und dann erreicht mich auch der Anruf, dass mein Plan für heute Nachmittag aufgrund der Wetterbedingungen leider nicht möglich ist. Vielleicht aber morgen Vormittag. Trotzdem zeigen sich die umgebenden Berge kurz fast wolkenfrei und ich halte das natürlich sofort fest. Wer weiß, wann die nächsten Wolken kommen.

Jetzt sehe ich erstmal, was sich mir bisher alles verborgen hat

Und man hat manchmal auch einen Ausblick auf die schneebedeckten Felsen der Alpen - ist es nicht wunderschön?!

Vor dem Abendessen verbringe ich die Zeit noch im Schwimmbad und im Außenpool. Anschließend gibt es eine heiße Dusche, um Schweiß und Chlor des Tages abzuwaschen.

Samstag, 14. Mai 2016

Zeit für Entschleunigung

Ich bin unruhig. Ich muss raus. Entschleunigung, das Wort geht mir in letzter Zeit häufig durch den Kopf. Das brauche ich jetzt. Das letzte Mal, dass ich unterwegs war - und damit meine ich alles, was sich nicht in meiner Heimat Sachsen oder in Bayern abspielt - war tatsächlich letztes Jahr im Oktober unser Trip nach Südtirol. Das ist ein halbes Jahr her. In der Zwischenzeit saß ich aber nicht tatenlos rum, sondern habe Urlaube geplant. Das größte Projekt dieses Jahr ist ein dreiwöchiger USA-Aufenthalt mit meiner Schwester und meinem Neffen. Nach einer Woche New York wollen wir noch für zwei Wochen Florida erkunden. Im Herbst treffe ich mich dann mit einer Freundin in Weimar. Weimar, weil es ziemlich zentral in Deutschland liegt. Und da warmer Zwiebelkuchen und Federweißer eindeutig zwei der größten Vorteile vom Herbst sind, haben wir unseren Besuch passend zum Zwiebelmarkt geplant. Außerdem wird es im September hoffentlich das nächste Treffen mit den Reisefreunden geben. Und Ende Mai steht noch ein Wochenende gemeinsam mit meiner Mama bei meiner Schwester an. Aber all das ist mir noch zu lange hin. Ich brauche Urlaub, will irgendwo hin, wo ich abschalten kann. Kurzfristig entscheide ich, dass ich über die Pfingstfeiertage Urlaub mache. Österreich habe ich mir in den Kopf gesetzt. Nach etwas Suchen finde ich das Hotel Alpina, was dem Anschein nach gut für meinen Kurztrip geeignet ist. Und so geht es am Freitag, den 13., nach Kössen im Kaiserwinkl in Tirol. Leider sind die Wetteraussichten für das Gebiet südlich der Donau eher trüb und naß. Es passiert selten, dass die Vorhersagen für Franken besser sind als für Oberbayern, aber jetzt ist es genau so. Während der Fahrt bleibt es aber weitestgehend trocken, auch wenn die Berge in den tiefhängenden Wolken nicht zu sehen sind. Aber ich bin vorsichtig optimistisch, dass es nicht das ganze lange Wochenende so bleibt.

Begrüßt werde ich mit einem Glas sehr leckeren Sekt und ich merke, wie ich langsam zur Ruhe komme und die Anspannung vom Arbeitstag und der Fahrt hier her von mir abfällt. Nach dem Abendessen, welches es wahlweise als Buffet oder Menü gibt, will ich gerne noch die nähere Umgebung erkunden, jedoch regnet es sich jetzt richtig ein, so dass ich meine Pläne verschiebe.

Über dem Unterberghorn hängen tiefe Regenwolken

Ich schlafe nicht besonders gut, irgendwie bin ich doch noch nicht so ganz im Wochenendmodus. Als ich morgens aufstehe, hängen noch immer Regenwolken über dem Unterberghorn, dem Kössener Hausberg, welchen ich von meinem Zimmer aus sehen könnte, wenn die Wetterumstände es denn zulassen würden. Das Frühstück ist reichlich und gut. Satt und zufrieden stelle ich fest, dass es gerade nicht in Strömen regnet, sondern nur etwas nieselt. Also nutze ich die Gelegenheit und laufe los. Die erste Herausforderung ist es, eine Brücke abseits der Hauptstraße zu finden, auf der ich den Kohlenbach überqueren kann. Zwischen Kohlenbach und Großache scheint ein Überlaufbecken zu sein, welches trotz Bepflanzung und angelegter Wege dennoch irgendwie an eine Sammlung überdimensionaler Pfützen erinnert. Der Regen wird wieder stärker und ich muss an den Spruch des Radiomoderators gestern beim Wetterbericht denken "Die Nacktschnecken grinsen, die nächsten Tage bleibt es naß". Langsam mache ich mich wieder auf den Rückweg zum Hotel, denn ich habe dann auch bald meinen Termin für eine Schulter-Nacken-Massage.

Spaziergang durch Kössen

Hübsches Pfützenbecken

Und schöne Blumen fühlen sich hier auch wohl

Schwalbenversammlung

Siehst du die Nacktschnecke grinsen?

Nach der Nachmittagsjause - einer Art Kaffee & Kuchen, allerdings auch mit warmen und herzhaften Speisen - teste ich noch Whirl- und Außenpool und genieße auf den Ruheliegen die Aussicht. Inzwischen ist der Himmel nämlich blau und nur ein paar weiße Wölkchen ziehen daher. Auch den Gipfel vom Unterberghorn sieht man jetzt. Vor dem Abendessen nehme ich noch an einer Hausführung teil, jedoch ist das wirklich nur eine Wo-finde-ich-was-Führung und keine Tour mit Erläuterungen zur Geschichte des Hauses oder dem Besuch von Geheimgängen, die sonst kein Gast sieht.